Das Entropium ist eine Fehlstellung des Augenlids, bei der sich der Lidrand nach innen in Richtung des Augapfels dreht. Diese Erkrankung führt dazu, dass die Wimpern und die Lidhaut permanent gegen die Hornhaut und Bindehaut reiben, was zu erheblichen Beschwerden und potenziellen Schäden am Auge führen kann. In unserer augenärztlichen Praxis behandeln wir regelmäßig Patienten mit dieser Lidfehlstellung und möchten Ihnen einen umfassenden Überblick über Ursachen, Symptome, Diagnosemöglichkeiten und moderne Behandlungsansätze geben.
Was ist ein Entropium genau?
Ein Entropium bezeichnet die Einwärtsdrehung des Lidrandes, wobei die normalerweise nach außen gerichteten Wimpern nun Kontakt zur Augenoberfläche haben. Diese anatomische Fehlstellung kann sowohl am Ober- als auch am Unterlid auftreten, betrifft jedoch deutlich häufiger das Unterlid. Der ständige mechanische Reiz durch die nach innen gedrehten Wimpern kann zu chronischen Entzündungen, Hornhautschäden und im schlimmsten Fall zu dauerhaften Sehbeeinträchtigungen führen.
Die Erkrankung entwickelt sich meist schleichend über einen längeren Zeitraum und wird von Betroffenen anfangs oft als harmloses Fremdkörpergefühl wahrgenommen. Mit fortschreitender Ausprägung verstärken sich jedoch die Symptome deutlich, weshalb eine frühzeitige augenärztliche Abklärung entscheidend für den Erhalt der Augengesundheit ist.
Verschiedene Formen des Entropiums
In der Augenheilkunde unterscheiden wir mehrere Typen des Entropiums, die sich in ihren Ursachen und Entstehungsmechanismen unterscheiden:
Das altersbedingte oder senile Entropium ist mit Abstand die häufigste Form. Es entsteht durch die natürlichen Alterungsprozesse der Lidstrukturen, wobei es zu einer Erschlaffung der Lidbänder und einer Schwächung der Lidmuskulatur kommt. Die horizontale Lidspannung nimmt ab, während sich gleichzeitig die Insertionsstelle des unteren Lidzügelmuskels verlagert. Diese Veränderungen führen dazu, dass sich der Lidrand nach innen dreht.
Das spastische Entropium entwickelt sich als Reaktion auf chronische Reizungen oder Entzündungen der Augenoberfläche. Durch den anhaltenden Reiz kommt es zu einem verstärkten Lidschluss und einer Verkrampfung des ringförmigen Augenmuskels, wodurch der Lidrand nach innen gedrückt wird. Diese Form kann in ein dauerhaftes Entropium übergehen, wenn die zugrunde liegende Ursache nicht behandelt wird.
Das narbige oder zikatrizielle Entropium entsteht durch Vernarbungen der Bindehaut auf der Lidinnenseite. Ursachen können zurückliegende Verletzungen, Verätzungen, chronische Entzündungen wie das Trachom oder Autoimmunerkrankungen sein. Die Narbenbildung führt zu einer Schrumpfung der inneren Lidschichten, wodurch der Lidrand nach innen gezogen wird.
Das angeborene oder kongenitale Entropium ist selten und tritt bereits bei der Geburt oder im frühen Kindesalter auf. Es beruht meist auf Entwicklungsstörungen der Lidstrukturen oder auf einer übermäßigen Hautfalte im Bereich des unteren Lids.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Entstehung eines Entropiums ist multifaktoriell und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Das Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen ist wichtig für die Wahl der richtigen Behandlungsstrategie.
Der natürliche Alterungsprozess spielt bei der Entstehung des Entropiums eine zentrale Rolle. Mit zunehmendem Alter verliert das Bindegewebe an Elastizität und Festigkeit. Die Lidbänder, die normalerweise für die horizontale Stabilität des Lids sorgen, erschlaffen. Gleichzeitig kommt es zu einer Atrophie der Lidmuskulatur und des subkutanen Fettgewebes. Diese Veränderungen führen zu einer verminderten Lidspannung und begünstigen die Einwärtsdrehung des Lidrandes.
Chronische Entzündungsprozesse am Auge, wie beispielsweise die Blepharitis oder die Konjunktivitis, können durch den anhaltenden Reiz zu einer reflektorischen Verkrampfung der Lidmuskulatur führen. Diese Verkrampfung kann zunächst nur intermittierend auftreten, sich aber bei persistierender Entzündung zu einem dauerhaften Entropium entwickeln.
Vernarbende Prozesse der Bindehaut können verschiedene Ursachen haben. Das Trachom, eine bakterielle Infektion mit Chlamydia trachomatis, ist weltweit eine der häufigsten Ursachen für ein narbiges Entropium. In den Industrieländern sind Verätzungen, Verbrennungen, Operationen am Auge oder Autoimmunerkrankungen wie das Stevens-Johnson-Syndrom oder das okuläre Pemphigoid häufigere Auslöser.
Weitere Risikofaktoren umfassen eine ausgeprägte Gesichtsfaltenbildung, einen starken Lidschlussreflex, frühere Augenoperationen, neurologische Erkrankungen, die zu einer Schwächung der Lidmuskulatur führen, sowie bestimmte ethnische Zugehörigkeiten, da die anatomische Beschaffenheit der Lider variieren kann.
Symptome und Beschwerden
Die Symptomatik des Entropiums entwickelt sich typischerweise schleichend und kann anfangs nur gelegentlich auftreten. Im Verlauf verstärken sich die Beschwerden jedoch zunehmend und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
Das Leitsymptom ist ein ständiges Fremdkörpergefühl im Auge, das durch den permanenten Kontakt der nach innen gedrehten Wimpern mit der Augenoberfläche entsteht. Patienten beschreiben dieses Gefühl häufig als störend und belastend, ähnlich als hätte man ständig einen Sandkorn im Auge. Begleitend tritt eine vermehrte Tränenproduktion auf, da der mechanische Reiz die Tränendrüsen aktiviert. Paradoxerweise kann es aber auch zu trockenen Augen kommen, wenn der normale Tränenfilm durch den ständigen Lidkontakt gestört wird.
Die chronische Reizung führt zu einer Rötung des Auges, wobei besonders die Bindehaut injiziert erscheint. Viele Patienten berichten über ein brennendes oder kratzendes Gefühl, das sich im Laufe des Tages verstärkt. Die ständige Reibung kann zu einer erhöhten Lichtempfindlichkeit führen, sodass Betroffene helles Licht als unangenehm empfinden.
Bei fortgeschrittenem Entropium können Verkrustungen am Lidrand auftreten, die morgens besonders ausgeprägt sind. Durch die mechanische Belastung der Hornhaut entstehen feine oberflächliche Defekte, sogenannte Hornhauterosionen, die starke Schmerzen verursachen können. In schweren Fällen entwickeln sich tiefere Hornhautschäden mit Narbenbildung, die zu einer dauerhaften Sehminderung führen können.
Einige Patienten bemerken eine zunehmende Sehverschlechterung, wenn die Hornhautschädigung fortschreitet. Bei Beteiligung der optischen Zone, also des zentralen Bereichs der Hornhaut, kann es zu verschwommenem Sehen oder Verzerrungen kommen. In seltenen Fällen kann eine bakterielle Infektion der geschädigten Hornhaut zu einem Hornhautgeschwür führen, was einen augenärztlichen Notfall darstellt.
Diagnose in der Augenarztpraxis
Die Diagnosestellung eines Entropiums erfolgt in unserer Praxis durch eine systematische augenärztliche Untersuchung. Bereits die Anamnese, bei der wir gezielt nach den Beschwerden und deren zeitlichem Verlauf fragen, gibt wichtige Hinweise. Wir erkundigen uns auch nach Vorerkrankungen, früheren Augenverletzungen oder Operationen sowie nach Medikamenteneinnahme.
Die klinische Untersuchung beginnt mit der Inspektion der Lider in Ruheposition und beim Lidschlag. Bei einem manifesten Entropium ist die Einwärtsdrehung des Lidrandes bereits deutlich sichtbar. Wir achten dabei auf die Position der Wimpern, eventuelle Hautveränderungen und die Symmetrie beider Augen. Durch gezieltes Zukneifen der Augenlider lässt sich ein intermittierendes oder spastisches Entropium provozieren, das in Ruhe möglicherweise noch nicht sichtbar ist.
Mit der Spaltlampenuntersuchung, einem Mikroskop mit spezieller Beleuchtung, beurteilen wir die Augenoberfläche im Detail. Wir untersuchen die Bindehaut auf Entzündungszeichen oder Vernarbungen und achten besonders auf den Zustand der Hornhaut. Durch die Anfärbung mit Fluoreszein, einem speziellen Farbstoff, werden auch kleinste Hornhautdefekte sichtbar, die durch die reibenden Wimpern entstanden sind.
Die Beurteilung der Lidspannung ist ein wichtiger Bestandteil der Untersuchung. Wir prüfen die horizontale Lidstabilität, indem wir das Unterlid vorsichtig vom Augapfel wegziehen und beobachten, wie schnell es in seine Ausgangsposition zurückkehrt. Eine verzögerte Rückstellung deutet auf eine Erschlaffung der Lidbänder hin. Auch die Beweglichkeit des Lids und der Grad der Erschlaffung werden dokumentiert.
Bei Verdacht auf ein narbiges Entropium untersuchen wir die Bindehaut der Lidinnenseite besonders sorgfältig. Wir klappen dazu das Lid um und achten auf Vernarbungen, Verkürzungen oder Verwachsungen. In manchen Fällen ist eine weiterführende Bildgebung notwendig, um das Ausmaß der Veränderungen besser beurteilen zu können.
Konservative Behandlungsmöglichkeiten
Bei leichten Formen des Entropiums oder wenn eine Operation zunächst nicht möglich ist, stehen verschiedene konservative Behandlungsoptionen zur Verfügung. Diese Maßnahmen können die Symptome lindern und weitere Schäden an der Augenoberfläche verhindern oder verzögern.
Die Verwendung von befeuchtenden Augentropfen oder Gelen ist eine wichtige Basismaßnahme. Sie schützen die Hornhaut vor der mechanischen Reibung und lindern das Trockenheitsgefühl. Wir empfehlen konservierungsmittelfreie Präparate, die mehrmals täglich angewendet werden können. Besonders nachts kann die Anwendung einer Augensalbe hilfreich sein, da sie einen länger anhaltenden Schutzfilm bildet.
Bei einem spastischen Entropium, das durch eine Verkrampfung des Lidmuskels entsteht, kann die Injektion von Botulinumtoxin in den ringförmigen Augenmuskel eine temporäre Besserung bewirken. Das Medikament entspannt die verkrampfte Muskulatur für etwa drei bis sechs Monate, wodurch sich das Lid wieder in seine normale Position zurückdreht. Diese Behandlung muss regelmäßig wiederholt werden und stellt keine dauerhafte Lösung dar, kann aber Zeit für die Planung einer definitiven chirurgischen Korrektur gewinnen.
Eine weitere Möglichkeit ist das temporäre Fixieren des Lids mit speziellen Pflasterstreifen. Dabei wird das Unterlid nach unten gezogen und mit einem Hautkleber oder Pflaster am Wangenknochen fixiert. Diese Methode eignet sich besonders bei älteren oder multimorbiden Patienten, bei denen eine Operation mit hohen Risiken verbunden wäre. Die Pflaster müssen regelmäßig gewechselt werden und können zu Hautreizungen führen.
In manchen Fällen führen wir auch eine gezielte Epilation durch, bei der wir die störenden, nach innen gedrehten Wimpern entfernen. Dies geschieht mit einer feinen Pinzette unter dem Mikroskop. Die Wimpern wachsen jedoch nach einigen Wochen wieder nach, sodass die Prozedur wiederholt werden muss. Bei nur wenigen betroffenen Wimpern kann auch eine Elektroepilation oder Laserbehandlung der Haarfollikel erwogen werden, um ein dauerhaftes Entfernen zu erreichen.
Wichtig ist bei allen konservativen Maßnahmen, dass sie die zugrunde liegende Ursache des Entropiums nicht beheben. Sie dienen der Symptomlinderung und dem Schutz der Augenoberfläche, bis eine definitive Behandlung erfolgen kann oder bei Patienten, bei denen eine Operation nicht möglich ist.
Chirurgische Korrekturmöglichkeiten
Die operative Korrektur ist die einzige Möglichkeit, ein Entropium dauerhaft zu beheben. Je nach Ursache und Ausprägung der Lidfehlstellung stehen verschiedene Operationstechniken zur Verfügung, die wir individuell auf jeden Patienten abstimmen.
Bei einem altersbedingten Entropium mit erschlafften Lidbändern führen wir häufig eine Kombination aus verschiedenen chirurgischen Schritten durch. Die horizontale Lidstraffung ist dabei ein zentraler Bestandteil. Wir verkürzen das Lid, indem wir einen kleinen keilförmigen Abschnitt am äußeren Lidwinkel entfernen und die Enden wieder vernähen. Dadurch erhält das Lid wieder mehr Spannung und liegt stabiler am Augapfel an.
Zusätzlich korrigieren wir häufig die Position der Lidretraktoren, der Muskeln, die das Unterlid nach unten ziehen. Diese können im Alter von ihrer normalen Insertionsstelle am Lidknorpel abrutschen. Durch eine Reinsertion oder Raffung dieser Strukturen wird der Lidrand wieder nach außen gedreht. Diese Technik wird als Retraktorreinsertion oder Jones-Prozedur bezeichnet.
Bei einem spastischen Entropium kann die Schwächung des ringförmigen Augenmuskels im Bereich des Unterlids hilfreich sein. Wir durchtrennen dazu gezielt einige Muskelfasern oder entfernen einen schmalen Streifen des Muskels. Dadurch wird die übermäßige Lidspannung reduziert und die Tendenz zur Einwärtsdrehung vermindert.
Das narbige Entropium erfordert oft aufwendigere Eingriffe. Wenn Vernarbungen der inneren Lidschichten den Lidrand nach innen ziehen, müssen diese Narben gelöst werden. Häufig ist es notwendig, die verkürzte Bindehaut durch Transplantatmaterial zu ersetzen. Hierfür verwenden wir Mundschleimhaut, die wir von der Innenseite der Wange entnehmen, oder in manchen Fällen auch konservierte Amnionmembran. Das Transplantat wird zwischen den vorderen und hinteren Anteil des Lids eingenäht und ersetzt so das fehlende Gewebe.
Alle Eingriffe werden in der Regel ambulant durchgeführt, meist unter örtlicher Betäubung. In Einzelfällen, etwa bei sehr ängstlichen Patienten oder wenn beide Augen gleichzeitig operiert werden, kann auch eine Vollnarkose sinnvoll sein. Die Operation dauert je nach Technik und Komplexität zwischen 30 und 90 Minuten.
Nachsorge und Heilungsverlauf
Nach der Operation ist eine sorgfältige Nachsorge entscheidend für den Behandlungserfolg. In den ersten Tagen nach dem Eingriff treten üblicherweise Schwellungen und leichte Blutergüsse im Bereich des operierten Lids auf. Diese sind normal und bilden sich innerhalb von ein bis zwei Wochen zurück. Wir empfehlen in dieser Zeit das Kühlen des Auges mit einem sauberen Kühlpack, wobei direkter Druck auf das Auge vermieden werden sollte.
Zur Vorbeugung von Infektionen verschreiben wir antibiotische Augentropfen oder Salben, die mehrmals täglich angewendet werden müssen. Zusätzlich können entzündungshemmende Medikamente die Schwellung reduzieren und die Wundheilung unterstützen. Die exakte Anwendung nach unseren Anweisungen ist wichtig für einen komplikationslosen Verlauf.
Die Fäden werden je nach verwendetem Material nach etwa fünf bis zehn Tagen entfernt. Bis dahin sollte das Auge nicht mit Wasser in Berührung kommen, um Infektionen zu vermeiden. Auch auf das Tragen von Kontaktlinsen muss in der Heilungsphase verzichtet werden. Sport und körperlich anstrengende Tätigkeiten sollten für mindestens zwei Wochen pausiert werden, da eine Erhöhung des Blutdrucks zu Nachblutungen führen kann.
Regelmäßige Kontrolltermine in unserer Praxis sind essentiell. Bei der ersten Kontrolle, meist ein bis zwei Tage nach der Operation, überprüfen wir den Wundverschluss und die Position des Lids. Weitere Kontrollen folgen nach der Fadenentfernung sowie nach vier bis sechs Wochen. Dabei beurteilen wir das kosmetische und funktionelle Ergebnis und achten auf mögliche Komplikationen.
Die vollständige Heilung und das endgültige Ergebnis zeigen sich erst nach etwa drei Monaten, wenn alle Schwellungen abgeklungen sind und sich das Narbengewebe stabilisiert hat. In dieser Zeit kann sich die Lidposition noch leicht verändern. Sollten wir bei den Kontrollen feststellen, dass das Ergebnis nicht optimal ist oder sich die Lidstellung wieder verschlechtert, kann in seltenen Fällen eine Nachkorrektur notwendig werden.
Mögliche Komplikationen und Risiken
Wie bei jedem chirurgischen Eingriff können auch bei der Entropium-Operation Komplikationen auftreten, auch wenn das Risiko bei erfahrenen Operateuren gering ist. Es ist wichtig, dass Sie über mögliche Risiken informiert sind.
Allgemeine Operationsrisiken umfassen Blutungen, Infektionen und Wundheilungsstörungen. Schwellungen und Blutergüsse sind in den ersten Tagen normal, sollten aber kontinuierlich abnehmen. Eine ausgeprägte oder zunehmende Schwellung kann auf eine Nachblutung hinweisen und sollte umgehend abgeklärt werden. Infektionen sind selten, äußern sich aber durch zunehmende Schmerzen, Rötung, Schwellung und gegebenenfalls eitrige Sekretion.
Eine mögliche Komplikation ist die Überkorrektur, bei der das Lid nach der Operation zu stark nach außen gedreht wird. Dies kann zu einem Ektropium führen, bei dem der Lidrand vom Augapfel absteht. Die Augenoberfläche ist dann ungeschützt, was zu Trockenheit und Reizungen führt. In den meisten Fällen reguliert sich eine leichte Überkorrektur im Heilungsverlauf von selbst. Bei stärkeren Ausprägungen kann jedoch eine erneute Operation notwendig werden.
Umgekehrt kann es auch zu einer Unterkorrektur kommen, bei der das Entropium persistiert oder nach einiger Zeit rezidiviert. Dies ist besonders bei narbigen Formen oder bei unzureichender Korrektur der zugrundeliegenden Ursachen möglich. Auch hier kann eine Nachoperation erforderlich sein.
Narbenbildungen sind bei jeder Operation unvermeidlich. Normalerweise verblassen die feinen Narben am Lid mit der Zeit und sind kaum sichtbar. In seltenen Fällen können jedoch auffällige oder verdickte Narben entstehen. Auch Asymmetrien zwischen beiden Augen sind möglich, wenn nur ein Auge operiert wurde oder die Heilung unterschiedlich verläuft.
Bei Eingriffen, die das Transplan von Gewebe erfordern, besteht das Risiko der Transplantatabstoßung oder unzureichenden Einheilung. Veränderungen der Lidkontur oder Dellen können das kosmetische Ergebnis beeinträchtigen. Sehr selten können Verletzungen tieferliegender Strukturen wie des Tränengangs auftreten, was zu einem tränenden Auge führen würde.
Wichtig ist, dass Sie alle ungewöhnlichen Symptome nach der Operation ernst nehmen und sich bei Unsicherheiten umgehend bei uns melden. Die meisten Komplikationen lassen sich bei frühzeitiger Erkennung gut behandeln.
Prognose und Langzeitergebnisse
Die Prognose nach einer Entropium-Operation ist in der Regel sehr gut. Bei korrekter Diagnosestellung und adäquater chirurgischer Technik liegt die Erfolgsrate bei über 90 Prozent. Die meisten Patienten sind nach der Heilungsphase beschwerdefrei und sehr zufrieden mit dem Ergebnis.
Das funktionelle Ergebnis steht im Vordergrund. Das Lid sollte wieder stabil am Augapfel anliegen, die Wimpern nach außen zeigen und ein normaler Lidschluss möglich sein. Die Symptome wie Fremdkörpergefühl, Tränen und Rötung verschwinden üblicherweise vollständig. Auch die Augenoberfläche erholt sich nach der Korrektur gut. Bestehende Hornhautschäden können allerdings nur bis zu einem gewissen Grad rückläufig sein. Tiefere Narben der Hornhaut bleiben bestehen und können auch nach erfolgreicher Operation das Sehvermögen dauerhaft beeinträchtigen. Dies unterstreicht die Wichtigkeit einer frühzeitigen Behandlung.
Das kosmetische Ergebnis ist für viele Patienten ebenfalls wichtig. Moderne Operationstechniken ermöglichen in den meisten Fällen ein natürlich aussehendes Lid ohne sichtbare Entstellung. Die Narben am Lid sind meist sehr fein und fallen nach der Heilung kaum auf. Eine gewisse Asymmetrie zur Gegenseite kann jedoch bestehen bleiben, besonders wenn nur ein Auge betroffen war.
Die Langzeitprognose hängt von der zugrundeliegenden Ursache ab. Bei altersbedingten Veränderungen schreitet der Alterungsprozess des Gewebes weiter fort. In seltenen Fällen kann es daher nach Jahren zu einem Rezidiv kommen, insbesondere wenn die Gewebe weiter erschlaffen. Bei narbigen Formen ist die Rezidivrate etwas höher, da der Narbenzug persistieren kann. Regelmäßige augenärztliche Kontrollen sind daher auch nach erfolgreicher Operation empfehlenswert.
Prävention und Vorbeugung
Eine direkte Prävention des Entropiums ist nicht möglich, da die Hauptursache der natürliche Alterungsprozess ist. Dennoch gibt es Maßnahmen, die das Risiko verringern oder das Fortschreiten verlangsamen können.
Der Schutz vor Augenerkrankungen und Verletzungen ist wichtig. Chronische Entzündungen sollten frühzeitig und konsequent behandelt werden, um Narbenbildungen zu vermeiden. Dazu gehört die regelmäßige Lidrandhygiene bei Neigung zu Blepharitis. Auch der Schutz vor UV-Strahlung durch Sonnenbrillen und die Verwendung von befeuchtenden Augentropfen bei trockenen Augen können die Augengesundheit fördern.
Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Flüssigkeitszufuhr und Verzicht auf Rauchen unterstützt die Hautgesundheit und die Gewebeelastizität. Auch wenn dies den Alterungsprozess nicht aufhalten kann, so kann er zumindest verlangsamt werden.
Regelmäßige augenärztliche Vorsorgeuntersuchungen ermöglichen die frühzeitige Erkennung von Lidfehlstellungen. Besonders ab dem 60. Lebensjahr sollten Sie Veränderungen an den Lidern ernst nehmen und zeitnah abklären lassen. Je früher ein Entropium erkannt und behandelt wird, desto besser lassen sich Folgeschäden vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Kann sich ein Entropium von selbst zurückbilden?
Ein einmal entwickeltes Entropium bildet sich in der Regel nicht spontan zurück. Die strukturellen Veränderungen, die zur Lidfehlstellung geführt haben, bestehen dauerhaft. Nur bei einem rein spastischen Entropium, das durch eine vorübergehende Verkrampfung entsteht, kann eine Besserung eintreten, wenn die zugrundeliegende Ursache, etwa eine Entzündung, behandelt wird.
Ist eine Operation immer notwendig?
Nicht in jedem Fall ist eine sofortige Operation erforderlich. Bei sehr milden Formen oder bei Patienten mit hohem Operationsrisiko können konservative Maßnahmen ausreichend sein. Langfristig ist jedoch die Operation die einzige Möglichkeit, das Problem dauerhaft zu beheben. Die Entscheidung treffen wir gemeinsam mit Ihnen nach sorgfältiger Abwägung aller Faktoren.
Wie lange bin ich nach der Operation arbeitsunfähig?
Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit hängt von Ihrer beruflichen Tätigkeit ab. Bei Bürotätigkeiten können die meisten Patienten nach etwa einer Woche wieder arbeiten, sobald die Schwellung zurückgegangen ist. Bei körperlich anstrengenden Berufen sollten Sie mit zwei bis drei Wochen rechnen. Auch das kosmetische Ergebnis spielt eine Rolle, da Blutergüsse noch einige Zeit sichtbar sein können.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Die operative Korrektur eines Entropiums ist eine medizinisch notwendige Behandlung, da ohne Therapie ernsthafte Schäden am Auge drohen. Die Kosten werden daher in der Regel von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen. Vor der Operation klären wir mit Ihrer Krankenkasse die Kostenübernahme.
Kann ein Entropium erneut auftreten?
In den meisten Fällen ist die operative Korrektur dauerhaft erfolgreich. Da der Alterungsprozess jedoch weiter fortschreitet, kann in seltenen Fällen nach Jahren ein Rezidiv auftreten. Bei narbigen Formen ist die Rezidivrate etwas höher. Regelmäßige Kontrollen helfen, erneute Fehlstellungen frühzeitig zu erkennen.
Wann sollten Sie einen Augenarzt aufsuchen?
Wenn Sie eines der beschriebenen Symptome bei sich bemerken, sollten Sie zeitnah einen Termin in unserer Praxis vereinbaren. Besonders wenn das Fremdkörpergefühl anhält, die Augen stark tränen oder gerötet sind, oder wenn Sie eine Veränderung der Lidstellung bemerken, ist eine augenärztliche Untersuchung wichtig.
Ein Entropium verschlechtert sich ohne Behandlung in der Regel kontinuierlich. Die ständige Reizung der Augenoberfläche kann zu bleibenden Hornhautschäden führen, die auch nach erfolgreicher Korrektur das Sehvermögen beeinträchtigen können. Je früher wir die Diagnose stellen und eine geeignete Therapie einleiten, desto besser sind die Aussichten auf ein optimales Ergebnis.
In unserer Praxis nehmen wir uns Zeit für eine gründliche Untersuchung und Beratung. Wir erklären Ihnen ausführlich die verschiedenen Behandlungsoptionen und finden gemeinsam mit Ihnen die beste Lösung für Ihre individuelle Situation. Moderne Operationstechniken und eine sorgfältige Nachsorge ermöglichen heute sehr gute Ergebnisse mit hoher Patientenzufriedenheit.