Fluoreszenzangiographie

Fluoreszenzangiographie

Die Fluoreszenzangiographie ist eine etablierte diagnostische Methode zur Beurteilung der Durchblutung und Gefäßstruktur der Netzhaut. Das Verfahren nutzt einen intravenös injizierten Farbstoff (meist Fluoreszein), der unter spezieller Beleuchtung in den Augengefäßen sichtbar wird. Diese Untersuchungsmethode ist unerlässlich für die Diagnose verschiedener Netzhauterkrankungen und ermöglicht Augenärzten eine genaue Darstellung des Augenhintergrundes samt der Netzhautgefäße.

Wichtige Fakten:

  • Diagnose von diabetischer Retinopathie, Makuladegeneration und Gefäßverschlüssen
  • Dauer: 15-30 Minuten mit Aufnahmen bis zu 25 Minuten nach Injektion
  • Häufige Nebenwirkung: Gelbfärbung von Haut und Urin für 1-2 Tage
  • Kassenleistung bei medizinischer Indikation

Was ist eine Fluoreszenzangiographie?

Bei der Fluoreszenzangiographie handelt es sich um eine Kontrastmitteldarstellung der Strukturen des Augenhintergrundes, wobei insbesondere das Gefäßsystem beurteilt werden kann. Als Kontrastmittel wird ein Farbstoff – das Fluoreszein – verwendet, der lichtempfindlich ist und die Eigenschaft besitzt, bei Beleuchtung mit einem speziellen Laser zu fluoreszieren, das heißt Licht auszusenden.

Das Verfahren wurde maßgeblich durch den deutschen Augenarzt Achim Wessing entwickelt, der die Ergebnisse seiner Forschungen 1968 in dem Lehrbuch und Atlas „Fluoreszenzangiographie der Retina“ zusammenfasste und gilt heute als Goldstandard in der Gefäßdiagnostik der Netzhaut.

Funktionsprinzip der Fluoreszenzangiographie

Das Kontrastmittel wird in eine Armvene gespritzt, verteilt sich in allen Gefäßen und strömt nach zehn bis 15 Sekunden in die Netzhautgefäße. Beleuchtet man nun das Auge mit kurzwelligem, blauen Licht, leuchtet der Farbstoff auf. Die Injektion in den Blutkreislauf und die anschließende Beobachtung des Farbstoffes mittels einer speziellen Kamera, ermöglicht die Fluoreszenzangiographie eine außergewöhnlich präzise Visualisierung der feinen Blutgefäße im Auge und insbesondere des Augenhintergrundes.

Anwendungsbereiche: Wann wird eine Fluoreszenzangiographie durchgeführt?

Hauptindikationen für die Untersuchung

Die Fluoreszenzangiographie wird bei verschiedenen Augenerkrankungen eingesetzt, bei denen eine genaue Beurteilung der Netzhautdurchblutung erforderlich ist:

  1. Diabetische Retinopathie Ein lange bestehender Diabetes mellitus kann die kleinen Gefäße der Netzhaut zerstören (diabetische Retinopathie). Diese Komplikation ist ein häufiger Grund für Erblindung, deshalb sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen des Auges für Diabetiker sehr wichtig.
  2. Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) Bei Erkrankungen der Netzhaut, wie der altersbedingten Makuladegeneration (AMD), sind Entzündungen oder Durchblutungsstörungen der Netzhaut charakteristisch. Ob die Gefäße intakt oder beeinträchtigt sind, ist maßgeblich für eine optimale Therapie.
  3. Gefäßverschlüsse der Netzhaut Bei der Abklärung einer möglichen Durchblutungsstörung hilft die Angiographie: Auge beziehungsweise Augengefäße können etwa durch Blutgerinnsel verstopfen – eine dauerhafte Erblindung kann die Folge sein.
  4. Weitere Indikationen:
  • Gefäßanomalien oder Erkrankungen der Makula
  • Entzündliche Netzhauterkrankungen
  • Tumoren der Netzhaut oder Aderhaut
  • Verlaufskontrolle nach therapeutischen Eingriffen

Früherkennung und Verlaufskontrolle

Die Fluoreszenzangiographie (FAG) kann charakteristische Netzhautveränderungen bereits im Frühstadium nachweisen. Für die Therapie von Netzhauterkrankungen ist der Zeitpunkt der Behandlung sehr entscheidend. Je früher wir Gefäßveränderungen feststellen, umso besser sind die Erfolgsaussichten für die Therapie.

Ablauf der Fluoreszenzangiographie: Was erwartet Sie?

Vorbereitung der Untersuchung

Wie bei anderen Untersuchungen der Augen auch, verabreichen Ärzte bei einer Fluoreszenzangiographie zunächst spezielle Augentropfen, um die Pupillen weitzustellen. Daraufhin machen die Mediziner eine Aufnahme der Netzhaut, um nach der Untersuchung einen Vergleichswert zu haben.

Durchführung der Untersuchung

Ein schmales Röhrchen (Venenverweilkatheter) wird in eine Vene am Unterarm gelegt, um dann wenige Milliliter eines fluoreszierenden Farbstoffes (Fluorescein) zu injizieren. Durch den Blutkreislauf gelangt der Farbstoff in alle Gefäße des Körpers, auch in die Aderhaut- und Netzhautgefäße.

Mit Hilfe einer speziellen Kamera (Scanning-Laser-Ophthalmoskop bei der HRA-Angiographie bzw. digitalisierte Aufnahmen durch eine Funduskamera) wird kurz nach der Injektion des Farbstoffes eine Bilderserie vom Augenhintergrund gemacht einschließlich einer Spätaufnahme nach ca. 10 Minuten.

Auswertung der Ergebnisse

Grundlage der Bewertung ist der gemessene Zeitabstand zwischen Injektion der Färbemittel und dem Sichtbarwerden im Bereich der zu untersuchenden Augenregion. Dies gibt Rückschluss auf die Durchblutung und evtl. Störungen.

Die Ärzte unterscheiden dabei zwischen:

  • Hyperfluoreszenz: Der Farbstoff leuchtet stärker als normal
  • Hypofluoreszenz: Der Farbstoff leuchtet schwächer als normal

Moderne Alternativen: OCT-Angiographie vs. Fluoreszenzangiographie

Die OCT-Angiographie als innovative Alternative

Die OCT-Angiographie als neuestes Bildgebungsverfahren ermöglicht eine nicht-invasive Darstellung von Netzhaut- und Aderhautgefäßen. Die OCT-Angiografie (OCTA) ist eine Weiterentwicklung der OCT. Sie erlaubt die Darstellung der Gefäße von Netzhaut und Aderhaut. Hiermit lassen sich detailliert die verschiedenen Gefäßschichten der Netzhaut beurteilen und Veränderungen an den Gefäßen frühzeitig erkennen.

Unterschiede zwischen den Verfahren

Vorteile der OCT-Angiographie:

  • Keine Kontrastmittelinjektion erforderlich
  • Keine Nebenwirkungen durch Farbstoffe
  • Das gesamte Gefäßsystem, auch die Mikrogefäße, lässt sich in exakten 3D-Schichten darstellen
  • Schnellere Durchführung

Grenzen der OCT-Angiographie:

  • Im Gegensatz zur klassischen Angiografie können aber keine Flüssigkeitsbewegungen dargestellt werden
  • Begrenzte Eindringtiefe in die Aderhaut
  • Noch nicht für alle Fragestellungen validiert

Komplementärer Einsatz beider Verfahren

Bei bestimmten Fragestellungen kann daher heute auf die Farbstoffinjektion verzichtet werden, jedoch bleibt die klassische Fluoreszenzangiographie für viele spezifische Diagnosen unverzichtbar. Schon jetzt hat sie die Fluoreszenz-Angiographie (FLA) bei manchen Erkrankungen völlig verdrängt, z.B. beim cystoiden Makula-Ödem (CMÖ), beim diabetischen Makula-Ödem, den epiretinalen Gliosen und den Makulaforamina.

Nebenwirkungen und Risiken: Was Sie wissen sollten

Häufige Nebenwirkungen

Die gute Nachricht: Die Fluoreszenzangiographie ist in der Regel mit keinen Schmerzen verbunden – jedoch kann der Farbstoff mitunter Übelkeit und Schwindelgefühle verursachen.

Typische Begleiterscheinungen:

  • Die intravenöse Injektion von Fluoreszein hat zur Folge, dass sich die Haut des Patienten für einige Stunden nach der Untersuchung leicht gelblich verfärbt. Da der Farbstoff über die Niere ausgeschieden wird, kommt es auch zu einer Gelbfärbung des Urins.
  • Die Pupillenerweiterung kann zu Blendempfindlichkeit nach der Untersuchung führen

Seltene Nebenwirkungen

Nebenwirkungen dieser Untersuchung – zum Beispiel allergische Reaktionen sind sehr selten. Die Fluoreszenzangiografie ist ein sicheres Untersuchungsverfahren, bei dem schwere Nebenwirkungen nur selten auftreten.

Wichtige Verhaltensregeln nach der Untersuchung

Durch die verabreichten Augentropfen sind Ihre Augen für einige Stunden besonders licht- und blendeempfindlich. Schützen Sie Ihre Augen daher nach der Fluoreszenzangiographie am besten mit einer Sonnenbrille und tragen Sie einen Hut. Lassen Sie sich nach der Untersuchung von jemandem nach Hause begleiten oder fahren. Aktiv am Straßenverkehr teilnehmen dürfen Sie erst wieder, wenn Ihre weit gestellten Pupillen ihre normale Größe zurückerlangt haben.

Kosten und Kostenübernahme der Fluoreszenzangiographie

Gesetzliche Krankenversicherung

Die FAG ist eine Kassenleistung und wird von Ihrer Krankenkasse übernommen. Die gesetzlichen Krankenkassen kommen bei Verdacht auf eine Erkrankung in der Regel für die Kosten der Behandlung auf, da die Fluoreszenzangiographie in diesen Fällen medizinisch erforderlich ist.

Voraussetzungen für die Kostenübernahme:

  • Medizinische Indikation liegt vor
  • Bereits bestehende Sehbeeinträchtigungen
  • Zur Verlaufskontrolle bei bekannten Erkrankungen

Private Krankenversicherung

Die privaten Krankenversicherungen übernehmen einen Großteil oder die gesamten Kosten der Behandlung. Informieren Sie sich gerne vorab bei Ihrer Krankenkasse.

Vorsorgeuntersuchungen

Als Vorsorge für die frühzeitige Feststellung von Augenerkrankungen allerdings werden die Kosten nicht übernommen. Hier müssen die Kosten in der Regel selbst getragen werden.

Patienteninformation: Vorbereitung und Nachsorge

Vor der Untersuchung

Der Arzt benötigt vor der Durchführung Informationen über den allgemeinen Zustand des Patienten. Der Patient sollte dem Arzt ggf. eine Liste über einzunehmende Medikamente vorlegen.

Wichtige Vorbereitungsschritte:

  • Aktuelle Medikamentenliste mitbringen
  • Über Allergien informieren
  • Begleitperson für den Heimweg organisieren
  • Sonnenbrille mitbringen

Nach der Untersuchung

Die Untersuchung erfordert nur minimale Nachsorge. Der Farbstoff wird über die Nieren ausgeschieden, sodass sich auch der Urin für einige Zeit gelb verfärben kann. Sie sollten für den Nachhauseweg vorsichtshalber eine Sonnenbrille mitnehmen, weil Ihre Augen nach der Untersuchung durch die Pupillenerweiterung lichtempfindlich sein können.

Zukunftsperspektiven der Netzhautdiagnostik

Technologische Entwicklungen

Mit der Einführung der revolutionären Angio-OCT beginnt eine neue Ära in der Makuladiagnostik. Der große Vorteil ist, dass dieses Verfahren nicht invasiv und damit besonders schonend ist.

Die moderne Augenheilkunde entwickelt sich kontinuierlich weiter. Während die Fluoreszenzangiographie weiterhin einen festen Platz in der Diagnostik hat, ergänzen neue Verfahren wie die OCT-Angiographie das diagnostische Spektrum und bieten Patienten zusätzliche schonende Untersuchungsmöglichkeiten.

Integration verschiedener Diagnoseverfahren

Moderne Untersuchungsmethoden verbessern Diagnostik und Therapiemöglichkeiten. Die hier vorgestellten Untersuchungsmöglichkeiten der Netzhaut gehören nach wissenschaftlichen Studien zu den aussagekräftigsten der modernen Augenheilkunde.

Fazit: Fluoreszenzangiographie als unverzichtbare Diagnostik

Die Fluoreszenzangiographie bleibt trotz neuerer Verfahren wie der OCT-Angiographie ein unverzichtbares diagnostisches Instrument in der modernen Augenheilkunde. Diese spezialisierte bildgebende Technik ist unerlässlich für die frühzeitige Erkennung, genaue Diagnose und effektive Überwachung verschiedener Augenkrankheiten.

Für Patienten mit Diabetes, altersbedingter Makuladegeneration oder Verdacht auf Gefäßerkrankungen der Netzhaut bietet das Verfahren präzise Diagnosemöglichkeiten, die eine optimale Therapieplanung ermöglichen. Die Untersuchung ist sicher, gut verträglich und wird bei medizinischer Indikation von den Krankenkassen übernommen.

Falls Ihre Augenarztpraxis die notwendigen Geräte nicht besitzt, ist gegebenenfalls eine Überweisung an eine andere Praxis oder Klinik notwendig. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Ihnen eine entsprechende Praxis empfehlen.

 

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