Episkleritis

Episkleritis

Bei der Episkleritis handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung der Episklera, einer dünnen, stark durchbluteten Bindegewebsschicht, die zwischen der äußeren Lederhaut (Sklera) und der Bindehaut (Konjunktiva) des Auges liegt. Die Erkrankung zeigt sich durch eine charakteristische, meist auf einen bestimmten Bereich begrenzte Rötung des Auges und verläuft in den meisten Fällen harmlos.

Die Episkleritis tritt bevorzugt bei jungen Erwachsenen auf und wird häufiger bei Frauen beobachtet. Die gute Nachricht ist, dass diese Augenerkrankung in der Regel selbstlimitierend ist und das Sehvermögen nicht beeinträchtigt. Dennoch sollte eine augenärztliche Abklärung erfolgen, um andere Erkrankungen auszuschließen und bei Bedarf eine lindernde Behandlung einzuleiten.

Welche Formen der Episkleritis gibt es?

Mediziner unterscheiden zwei Hauptformen der Episkleritis:

Einfache (diffuse) Episkleritis

Bei der einfachen Episkleritis kommt es zu einer akuten, diffusen Rötung der betroffenen Bereiche. Diese Form macht etwa 60 Prozent aller Fälle aus und ist durch oberflächliche, radiär verlaufende Gefäße in rötlichem Farbton gekennzeichnet. Die Episklera erscheint ödematös geschwollen, und etwa 40 Prozent der Fälle betreffen beide Augen.

Noduläre Episkleritis

Bei der nodulären Form tritt ein linsengroßer, verschieblicher und druckempfindlicher Knoten auf, begleitet von einer sektorförmigen Rötung der Sklera. Diese Variante verläuft in der Regel länger als die einfache Form. Der Knoten ist charakteristischerweise beweglich und kann bei der Untersuchung mit einem Wattestäbchen verschoben werden.

Symptome – Wie äußert sich eine Episkleritis?

Die Beschwerden bei einer Episkleritis sind in der Regel mild ausgeprägt. Folgende Symptome können auftreten:

  • Lokalisierte Rötung des Auges: Häufig zeigt sich eine dreieckförmige (sektorielle) Ausbreitung zwischen der Iris und dem Lidrand.
  • Leichte Augenbeschwerden: Betroffene beschreiben ein dezentes Druck- oder Fremdkörpergefühl im Auge.
  • Vermehrtes Tränen: Das betroffene Auge tränt häufiger als gewöhnlich.
  • Milde Schmerzen: Die Entzündung ist selten schmerzhaft, kann sich jedoch insbesondere bei Augenbewegungen unangenehm anfühlen.
  • Keine Sehstörungen: Das Sehvermögen ist bei einer Episkleritis nicht eingeschränkt.
  • Fehlende Lichtscheu: Im Gegensatz zur schwereren Skleritis tritt keine ausgeprägte Photophobie auf.

Wichtig ist die Abgrenzung zur Bindehautentzündung: Bei einer Episkleritis ist das Tränenträufeln viel schwächer als bei einer Konjunktivitis, und es liegt kein eitriger oder schleimiger Ausfluss vor.

Was sind die Ursachen einer Episkleritis?

Die Episkleritis ist meist idiopathisch, das heißt, die genaue Ursache bleibt in den meisten Fällen ungeklärt. Dennoch gibt es einige bekannte Zusammenhänge:

Autoimmunerkrankungen

Bei etwa 15 Prozent der Patienten kann die Episkleritis mit systemischen Autoimmunerkrankungen oder Kollagenosen in Verbindung stehen. Dazu gehören:

  • Rheumatoide Arthritis
  • Systemischer Lupus erythematodes
  • Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
  • Sklerodermie
  • Primär chronische Polyarthritis

Seltene Auslöser

Obwohl selten, können einige Infektionen eine Episkleritis auslösen, darunter Herpes zoster (Gürtelrose), Herpes simplex, Syphilis, Tuberkulose, Lyme-Borreliose oder die Katzenkratzkrankheit.

Vermutete Faktoren

Erhöhter Stress oder vermehrte körperliche und seelische Belastungen können als Auslöser in Frage kommen. Diese Faktoren werden häufig als mögliche Trigger diskutiert, auch wenn ein direkter wissenschaftlicher Nachweis schwierig ist.

Wie wird eine Episkleritis diagnostiziert?

Anamnese und klinische Untersuchung

Die Diagnose einer Episkleritis basiert auf einer gründlichen Anamnese und ophthalmologischen Untersuchung. Bereits die Schmerzcharakteristik kann richtungsweisend sein: Während Betroffene mit Episkleritis häufig nur einen geringen Leidensdruck verspüren, sind die Beschwerden bei einer Skleritis deutlich belastender.

Spaltlampenuntersuchung

Das Auge sollte idealerweise zuerst makroskopisch unter Tageslichtbedingungen und dann an der Spaltlampe untersucht werden. Bei Episkleritiden prägen dilatierte, radiär und oberflächlich verlaufende Gefäße in einem rötlichen Farbton das Bild, und die Episklera ist ödematös geschwollen.

Phenylephrin-Test (differentialdiagnostisch)

Zur Abgrenzung von der schwerwiegenderen Skleritis ist der Phenylephrin-Test richtungsweisend, bei dem Phenylephrin-Augentropfen (5 oder 10 Prozent) ins Auge getropft werden. Durch die Konstriktion des oberflächlichen episkleralen Gefäßplexus geht die Augenrötung bei einer Episkleritis etwa 20 bis 30 Minuten nach dem Eintropfen deutlich zurück, und das Auge erscheint relativ weiß und symptomlos. Bei einer Skleritis bringt diese Tropfengabe kaum eine Veränderung.

Weitere Untersuchungen

Eine Bildgebung ist bei einer Episkleritis in der Regel nicht erforderlich und sollte nur im Zweifelsfall erfolgen. Bei Hinweisen auf eine systemische Erkrankung oder bei rezidivierenden Episoden kann eine weiterführende internistische Abklärung sinnvoll sein, einschließlich Laboruntersuchungen zum Ausschluss von Autoimmunerkrankungen.

Behandlung – Wie wird eine Episkleritis therapiert?

Konservative Basistherapie

Eine Behandlung der Episkleritis ist häufig nicht erforderlich, da die Erkrankung von selbst wieder abklingt. In den allermeisten Fällen bildet sich die Episkleritis innerhalb von zwei bis 21 Tagen selbstständig zurück.

Zur symptomatischen Linderung können folgende Maßnahmen hilfreich sein:

  • Kühlende Umschläge: Eine unterstützende Behandlung mit kühlenden Umschlägen oder gekühlten Tränenersatzmitteln ist eine gängige Empfehlung.
  • Befeuchtende Augentropfen: Für den Patientenkomfort werden topische Gleitmittel (künstliche Tränen) verwendet.

Medikamentöse Behandlung bei stärkeren Beschwerden

Bei höherem Leidensdruck oder persistierenden Beschwerden stehen verschiedene Behandlungsoptionen zur Verfügung:

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

Bei höherem Leidensdruck und insbesondere bei nodulären Episkleritiden können systemische NSAR gegeben werden. Beispiele sind Ibuprofen, Diclofenac oder Indometacin. Die Anwendung kann sowohl als Augentropfen als auch in Tablettenform erfolgen.

Kortikosteroid-haltige Augentropfen

Topische Steroide wie Fluorometholon 0,1 Prozent oder Loteprednol-Etabonat 0,5 Prozent sollten nur zeitlich limitiert für ein bis zwei Wochen verwendet werden. Auch bei diesen schwach wirksamen Steroiden besteht ein geringes Risiko einer okulären Hypertension, weshalb empfohlen wird, ein bis zwei Wochen nach Behandlungsbeginn den Augeninnendruck zu überwachen.

Eine kurze Behandlung mit topischen Kortikosteroiden verkürzt in der Regel die Dauer der Beschwerden und wird typischerweise von einem Augenarzt verschrieben.

Hinweis zu abschwellenden Augentropfen

Augentropfen, die die Blutgefäße des Auges verengen (wie Tetrahydrozolin), können die Rötung vorübergehend lindern, sollten jedoch nur kurzfristig verwendet werden, da ein langfristiger Gebrauch zu noch mehr Rötung führt (sogenannter Rebound-Effekt).

Behandlung bei zugrundeliegender Systemerkrankung

Patienten mit einer begleitenden systemischen Kollagenose oder Vaskulitis sollten an einen Rheumatologen überwiesen werden. Wird die zugrunde liegende Systemerkrankung adäquat behandelt, kann häufig auch das Risiko weiterer Episkleritis-Episoden reduziert werden.

Prognose und Verlauf

Die Prognose bei Episkleritis ist ausgezeichnet:

Langfristige Sehbeeinträchtigungen sind nicht zu erwarten. Die Symptome klingen in der Regel zwischen fünf bis zehn Tagen, maximal jedoch innerhalb von zwei Monaten ab. Die noduläre Form verläuft üblicherweise länger als die diffuse Variante.

Rezidive

In einer Studie traten bei rund einem Drittel der Patienten rezidivierende Episkleritiden am gleichen oder am kontralateralen (gegenüberliegenden) Auge auf. Diese Rezidive verlaufen jedoch in der Regel ähnlich mild wie die Ersterkrankung.

Chirurgische Interventionen sind bei aktiven Episkleritiden nicht indiziert.

Wichtige Differentialdiagnosen

Abgrenzung zur Skleritis

Die wichtigste Differentialdiagnose einer Episkleritis ist die Skleritis, die zu den komplikationsträchtigen Augenerkrankungen gehört. Die Unterscheidung ist klinisch sehr wichtig:

Episkleritis:

  • Milde oder keine Schmerzen
  • Oberflächliche, hellrote Rötung
  • Keine Photophobie
  • Kein Sehverlust
  • Selbstlimitierend

Skleritis:

  • Starke, bohrende Schmerzen (oft auch nachts)
  • Tiefe, dunklere Rötung (violett-stichig)
  • Ausgeprägte Photophobie
  • Möglicher Sehverlust
  • Behandlungsbedürftig und potenziell gefährlich

Weitere Differentialdiagnosen

  • Konjunktivitis (Bindehautentzündung): Im Gegensatz zur Episkleritis liegt bei der Konjunktivitis meist ein Sekret vor, und die Hyperämie ist diffuser verteilt.
  • Uveitis anterior (Entzündung der mittleren Augenhaut): Diese Erkrankung geht mit ausgeprägter Photophobie, Sehstörungen und tiefer liegenden Entzündungszeichen einher.
  • Pterygium oder Pinguecula: Diese gutartigen Wucherungen sind chronisch und zeigen keine akute entzündliche Komponente.

Häufigkeit und Epidemiologie

Eine nordkalifornische Studie aus dem Jahr 2013 gab die Gesamtinzidenz bei Episkleritis mit 41 pro 100.000 Personenjahre und die jährliche Prävalenzrate mit 52,6 pro 100.000 an. Im Vergleich zur schwerwiegenderen Skleritis ist die Episkleritis damit etwa zwölfmal häufiger.

Bei beiden Erkrankungen war ein statistisch signifikanter Anstieg der Fälle bei älteren versus jüngeren Menschen und bei Frauen im Vergleich zu Männern erkennbar.

Wann sollten Sie zum Augenarzt?

Sie sollten eine augenärztliche Praxis aufsuchen, wenn:

  • Eine plötzliche, umschriebene Rötung des Auges ohne vorangegangene Verletzung auftritt
  • Die Rötung mit Beschwerden oder Schmerzen einhergeht
  • Die Symptome nach zwei Wochen nicht von selbst abklingen
  • Wiederkehrende Episoden auftreten
  • Starke Schmerzen, Photophobie oder Sehstörungen auftreten (Hinweis auf schwerere Erkrankung)
  • Sie an einer bekannten Autoimmunerkrankung leiden

Eine frühzeitige augenärztliche Abklärung ist wichtig, um schwerere Erkrankungen auszuschließen und bei Bedarf eine geeignete Behandlung einzuleiten.

Zusammenfassung

Die Episkleritis ist eine meist harmlose, selbstlimitierende Entzündung der oberflächlichen Augenschichten. Sie tritt bevorzugt bei jungen Erwachsenen auf und zeigt sich durch eine lokalisierte Rötung mit milden Beschwerden. In den meisten Fällen heilt die Erkrankung innerhalb von ein bis drei Wochen ohne Behandlung ab. Bei stärkeren Beschwerden können entzündungshemmende Augentropfen oder orale Schmerzmittel zur Linderung eingesetzt werden. Die Prognose ist ausgezeichnet, und bleibende Sehschäden sind nicht zu erwarten. Eine augenärztliche Untersuchung ist dennoch empfehlenswert, um schwerwiegendere Augenerkrankungen auszuschließen und gegebenenfalls eine zugrunde liegende systemische Erkrankung zu erkennen.

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